Spielen

Vom Mensch im Menschen.

Wir alle sind Spieler. Als Kinder eignen wir uns durch das Spiel die Welt an. Wir erproben unser zwischenmenschliches Verhalten und bereiten uns auf unser Leben als Erwachsener vor. Kinder sind nicht nur Kinder. Sie sind König und Königin, Weltraumheld und Tierärztin, Träumer und Heldin. Kinder sind frei. Durch das Spielen lernen wir unsere individuelle psychische Innenwelt mit der sozialen Außenwelt abzugleichen. Daher hat das Spielen viele Gemeinsamkeiten mit dem Träumen und dem Geschichtenerzählen. Der Mensch ist frei von Pflichten und Notwendigkeiten und kann sich daher auch frei entfalten. Nur wer das System verlässt, kann das System verändern.

Horizonte anstatt Prozesse.

Spiele haben Regeln. Manche sind offensichtlich, andere schwingen unbewusst mit. Regeln sind zunächst nichts Negatives, da sie Welten und Systeme voneinander abgrenzen bzw. definieren. Nicht alle Spiele haben Ziele, aber meistens schon. Regeln sind dafür da, uns den Weg zum Ziel so schwer wie möglich zu machen. Darum muss man sich darüber im Klaren sein, wie Regeln und Ziele miteinander in Verbindung stehen und wann man sie brechen soll und wann nicht. Muster sind keine Regeln. Aber viele Menschen tun so, als ob das der Fall wäre. Viele Unternehmen tun so.

Sie behaupten, alles vorhersagen zu können, wenn sie nur die richtigen Schritte gehen. So einfach ist die Welt aber nicht.

Spiele agieren mit Horizonten oder Wolken. Man weiß, wo man hinwill, aber man weiß nicht genau, wie das Ziel aussehen wird. Bei einer Fußball WM will man Weltmeister werden. Aber man kann nicht vorhersagen, gegen wen man spielen wird und wie diese Spiele ausgehen werden. Man weiß noch nicht einmal, wie viele Spiele man gewinnen muss. Aber man weiß, dass man in der K.O. Runde gewinnen muss. An sich ist es eine sehr vage Sache, Weltmeister zu werden, dennoch hoffen ganze Nationen darauf.

Erprobung neuer Wirklichkeiten.

Das Spiel hilft uns nicht nur bei unserer eigenen Entwicklung und Menschwerdung, wir eignen uns auch so unsere Kultur an. Man muss erstmal auf die Idee kommen, König oder Königin werden zu wollen. So birgt das Spiel aber auch viele Chancen, sich in neuen Kulturen zu erproben. Sei es die eigene Unternehmenskultur oder Alternativmodelle unseres gesellschaftlichen Zusammenseins. Wir werden diese Alternativmodelle brauchen, denn im Moment stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter. Es ist an uns, dieses selbst aktiv zu gestalten oder uns von Strömungen mitreißen zu lassen, in denen wir umhertrudeln.